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Wie Freiheit und Wahl zu Unsicherheit und Unzufriedenheit führen kann.

Freiheit in Entscheidungen, grenzenlose Auswahl und Vielfalt in allen Lebensbereichen ist für viele Menschen selbstverständlich geworden. Die Befriedigung der Bedürfnisse sollte ja eigentlich zur Zufriedenheit führen, doch dies ist nicht unbedingt der Fall. Warum lesen Sie hier…

Unzufriedenheit trotz Freiheiten und Vielfalt, warum?

Es scheint anfangs paradox, nicht wahr? Freiheit und Wahlfreiheit als Ausgangspunkt für Unsicherheit und Unzufriedenheit anzunehmen. Haben doch diese Werte förmlich Hochkonjunktur dieser Tage. Gleichzeitig haben allerdings auch andere Phänomene Hochkonjunktur: Einsamkeit, Ängste, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Sucht.

Wie geht es zusammen?

Nützliche Begrenzungen

Untersuchungen zeigen, dass eine sehr große Mengen an Wahlmöglichkeiten sogenannten Entscheidungsstress verursachen. Also man unzufriedener wird, weil man andauernd abwägen und Entscheidungen treffen muss. In diesem Zusammenhang muss ich manchmal schmunzeln, wenn Eltern ihre kleinen Kinder, vor 20 m langen Regalen mit ca. 5000 verschiedenen Sorten Kinderbrei, fragen: “Was möchtest du heute essen?„.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch einmal über die Worte von Victor E. Frankl nachzudenken. Er geht davon aus, dass ständige Befriedigung von Bedürfnissen eine Frustrations-Intoleranz fördert. Diese Menschen sind dann weniger gut in der Lage Spannungen z.B. durch warten müssen, auszuhalten. Auch dies würde in der Folge zu erhöhter Unzufriedenheit führen.

„[…] aber das schafft eben Spannung, man
muss kämpfen können, man muss warten können, mit einem
Wort, es bedarf der so genannten Frustrationstoleranz, und die
muss man trainiert haben.
Aber die vorwiegend um eine Minimierung von Spannung
besorgte Erziehung von heute erzieht einen nachgerade zu
einer Frustrations-Intoleranz, einer Art psychischer Immun-
schwäche, wenn ich so sagen darf.“

Quelle: Frankl, Victor E.: Bergerlebnis und Sinnerfahrung

Gewissheit

Auch untersucht wurde, wie sich Wiederholungen (wiederkehrende Rituale) im Alltag auswirken. In diesem Zusammenhang wurde Kindern wiederkehrend die gleiche Kinderserie vorgespielt. Dies hatte positive Auswirkungen auf die Kinder. 

Die Hypothese ist, dass es den Kindern besser geht, weil durch die Wiederholungen mehr Sicherheit dadurch entsteht, dass etwas berechenbar (vorhersehbar, sicher eintritt) ist

Es lohnt sich also in diesem Zusammenhang auch mal das eigene Verhalten im Umgang mit den Kindern zu reflektieren. Dem Wunsch vieler Kinder, immer neue Folgen von Hörspielen/ Filmen/ Serien/ Bücher… angeboten zu bekommen, nachzukommen, kann somit auch eher ungünstige Folgen haben.

Sicherheit in Gesellschaft

Ich denke, es ist ,besonders heutzutage, wichtig, die Bedürfnisse nach Gewissheit und Sicherheit anzuerkennen und danach zu handeln. 

Denn im Kern schöpft jede potentielle zerstörerische Kraft (Glaubensrichtungen, Alleinherrscher, Rüstungsindustrie, Pharmaindustrie, …) ihre Macht aus Angst vor Unsicherheit und Ungewissheit. Daher gehen auch alle „leeren Versprechungen“ in dieselbe Richtung:

  • Sicherheit vor äußeren Bedrohungen
  • Gewissheit, den wahren und richtigen Weg zu kennen
  • Beruhigung und Klarheit durch sehr einfache und schnelle Wege zur Verbesserung
  • Zugehörigkeit zu dem Guten durch Dämonisierung des Fremden und Anderen

Fazit

  • Freiraum braucht auch sinnvolle, deutliche, erkennbare und verlässliche Grenzen, sonst entsteht Unsicherheit.
  • Weniger (relativ gesehen) Wahlmöglichkeiten wirken beruhigend, da weniger Entscheidungsstress entsteht.
  • Die Fähigkeit, Bedürfnisse aufschieben zu können, erhöht die Fähigkeiten Spannungen auszuhalten (Frustrationstoleranz).
  • Wenn alles variabel ist, ist nichts sicher, im Sinne der Berechenbarkeit. Das setzt das Gehirn auf Dauerwachsamkeit. Wiederholungen und feste Rituale können diesbezüglich beruhigen.
  • Wiederholungen sind die Basis für Routinen, diese reduzieren den Energieverbrauch im Gehirn.
  • Gemeinschaften können nur Bestand haben, wenn auch die Bedürfnisse nach Sicherheit und Gewissheit bedient werden. Andernfalls ist das der Nährboden für Spannungen und Konflikte.

Freundlich grüßt
Robert Laabs

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